Zu Speck oder Thai-Küche: Südtiroler Weine sind vielfältig

Zu Speck oder Thai-Küche: Südtiroler Weine sind vielfältig
Auch zur Pasta passt der Wein - in Südtirol kommen Genießer auf ihre Kosten. Foto: Südtirol Marketing/Frieder Blickle (Bild: dpa)

Im Schutz der Alpen und verwöhnt von mediterranen Einflüssen gedeihen auf Südtirols Weinbergen bemerkenswerte Tropfen. Für Kenner sind es Weine mit Anspruch, ohne opulent zu sein. Sie passen zur rustikalen Regionalküche wie auch zu verfeinerten Speisen.

Zu einem guten Essen gehört für manche auch ein Glas Wein. Danach zu leben, fällt in Südtirol nicht schwer. Die nördlichste Provinz Italiens überzeugt auch Kenner mit ihren Tropfen. Dabei nutzen die Winzer des «Landes im Gepirg», wie Südtirol im Mittelalter hieß, die Gegensätze von alpinen Höhen und mediterraner Landschaft. Im einstigen Massenrotweinland wird heute mehr Weiß- als Rotwein gekeltert. Unter den Tropfen finden sich passende Begleiter zur hausgemachten Speck- und Knödelküche. Und Spitzenweine bereichern exquisite Gerichte aus der Sterneküche.

Südtirols Weinkultur zählt zu den ältesten in Europa. Ein Beleg dafür ist ein in Stufels bei Brixen gefundenes Tongefäß mit Trauben, das auf 500 vor Christus datiert wird. Die Reben wachsen auf Höhen von 200 bis zu 1000 Metern in den Tälern der Etsch zwischen Schlanders im Vinschgau und Salurn im Unterland sowie der Eisack zwischen Bozen und Neustift oberhalb von Brixen. «Das sind zusammen nur 90 Kilometer», erklärt Helmuth Zanotti von der Export Organisation Südtirol (EOS) in Bozen.

Südtirols Weine sind so vielfältig wie das Terroir, das die Reben am Alpendurchgang vorfinden – zum Beispiel karge Hänge im Vinschgau, warme Hügellagen im Unterland und alpine Weinberge im Eisacktal. Die Alpen schützen im Norden vor kalten Winden, und gen Süden ist das Land offen für mediterrane Wärme. Das Weinland ist ein Flickenteppich von oft nur ein bis zwei Hektar großen Flächen. «65 Prozent des Weins werden genossenschaftlich vermarktet», erläutert Zanotti. Ein Viertel seien Privatkellereien und der Rest frei vermarktende Weinbauern.

Der renommierte italienische Weinführer Gambero Rosso hat in seiner aktuellen Ausgabe 26 Südtiroler Weinen die Höchstnote gegeben. In der Kategorie der «Tre Bicchierie»-Weine (Drei-Gläser-Weine) liegen unter den Weißweinen vor allem Rieslinge und Weißburgunder vorn. Bei den Roten dominieren die heimischen Sorten Vernatsch und Lagrein. Die Südtiroler Winzer steuern nach Angaben von Zanotti auf einer Fläche von 5300 Quadratmetern weniger als ein Prozent zur jährlichen Weinproduktion Italiens bei. «60 Prozent sind Weißwein und 40 Prozent Rotwein», erklärt er.

Hendrik Thoma, Master-Sommelier und Betreiber des Wein-Blogs «Wein am Limit», rühmt die kühle Frische der Tropfen: «300 Sonnentage im Jahr, nachts kühlt es sich ab. Diese Weinlage bringt einen alpinen frischen Stil, Weine mit Säure und Frische.» Es seien keine überladenen Tropfen, sondern «Weine mit Anspruch, ohne kompliziert zu sein». Für den Hamburger Thoma ist Südtirol eine «Melange von preußisch-deutsch und lässig italienisch». Besonders die Deutschen genießen das «deutsche» Italien, was den Winzern zugutekommt: «Wir haben den Vorteil, dass die Deutschen uns als Urlaubsland kennen. Sie haben eine enge Verbindung zu Wein», sagt Zanotti.

Südtirols Erfolgsgeschichte basiert für Thoma unter anderem auf einer «selektiven Arbeit im Weinberg und Keller mit dem Bewusstsein für den richtigen Standort». Die Winzer wissen inzwischen genau, welche Sorte auf welchem Boden und in welcher Höhe am besten gedeiht. Dabei haben sich in den vergangenen Jahren rund 20 Rebsorten etabliert. Internationale Sorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Blauburgunder oder Merlot seien für Südtirol nicht neu, erläutert Thoma. Teils würden sie dort schon seit 100 Jahren angepflanzt.

Daneben erleben alteingesessene Trauben wie der Gewürztraminer oder die roten Sorten Vernatsch und Lagrein, die schon im Mittelalter bekannt waren, eine Renaissance. Lange dominierte der ertragreiche Vernatsch, die Südtiroler Variante des Trollingers, den Weinbau. «Der Vernatsch hat sich gesund geschrumpft», sagt Paul Tauferer von der Kellerei Kurtatsch im gleichnamigen Ort im Unterland. Heute wächst die Traube nur noch auf etwa 1000 Hektar, früher war es das Doppelte. Sie bringt leichte, gerbstoffarme Rotweine – gute Begleiter für Südtirols Speck- und Knödelküche.

Der Lagrein hat seine Wurzeln in Südtirols Hauptstadt Bozen. «Wir sprechen von der Sorte seit 1314», sagt der Önologe Christian Werth von der Klosterkellerei Muri-Gries in Bozen. Topweine der Traube, aus der samtige Weine mit Aromen von Waldbeeren und Kirschen gekeltert werden, finden mittlerweile international Beachtung.

Südtirols Gewürztraminer, der in seinem Heimatort Tramin im Unterland schon im 13. Jahrhundert erwähnt wurde, hat eine eigene Stilistik: «In Italien ist er nur als frischer, trockener Wein bekannt. Die Italiener trinken ihn als Aperitif», sagt Thoma. Mit seinem Duftspektrum von Rosen, Nelken, Litschi und tropischen Früchten eigne sich der Tropfen auch zu asiatischen Speisen und Krustentieren. Bei Sternekoch Gerhard Wieser vom Gourmet-Restaurant Trenkerstube im Dorf Tirol begleitet ein Gewürztraminer-Süßwein einen in Aprikosen und Sektschaum eingelegten Honig-Schneeball.

Der Sortenspiegel Südtirols bietet auch noch Raritäten wie weißen Gold- oder roten Rosenmuskatteller. «Den Goldmuskatteller empfehlen wir als Aperitif oder beispielsweise zur scharfen Thai-Küche. Er balanciert die Schärfe gut aus», sagt Michael Graf Goëss-Enzenberg vom Weingut Manincor in Kaltern. Kommen beim Dessert Schokolade oder Mohn ins Spiel, gönnen sich Feinschmecker einen hocharomatischen Rosenmuskatteller dazu.

 

Links

Südtirol Wein

Kellerei Kurtatsch

Weingut Manincor

Klosterkellerei Muri-Gries

Hendrik Thoma

Wein am Limit

Trenkerstube, Hotel Castel 

(dpa)

0

ANZEIGE

Verwandte Artikel

Kommentar hinterlassen

Um Kommentare zu schreiben mussen Sie eingeloggt sein