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Unternehmer fordern besseren Marktzugang in China

Unternehmer fordern besseren Marktzugang in China
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao fahren gemeinsam im Hochgeschwindigkeitszug von Peking nach Tianjin. Foto: Bundesregierung/ Guido Bergmann (Bild: dpa)

Die deutsche Wirtschaft hat besseren Marktzugang in China angemahnt.

Beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in China forderten deutsche Spitzenunternehmer im Gespräch mit Regierungschef Wen Jiabao am Freitag in Tianjin gleiche Wettbewerbsbedingungen, eine einfachere Produktzulassung nach internationalen Regeln und mehr Transparenz im Patentschutz. «Der faire Marktzugang, dass unsere Tochtergesellschaften auch als chinesische Unternehmen anerkannt werden, liegt uns am Herzen», sagte Siemenschef Peter Löscher, der auch dem Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (APA) vorsitzt.

Chinas Premier räumte Unzulänglichkeiten ein und versprach Besserung: «Wir haben hier viele Mängel behoben, aber wenn wir Fehler begangen haben, können sie gerne an mich schreiben und ich versichere ihnen, wir werden das beheben.» An dem Treffen in der Metropole südöstlich von Peking nahmen Spitzen der deutschen und chinesischen Wirtschaft, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Minister großer chinesischer Ministerien teil.

BASF-Chef Martin Brudermüller bescheinigte China zwar «enorme Fortschritte» beim Schutz des geistigen Eigentums, wies aber auf eine «Flut von chinesischen Patenten» hin, die trotz geringer erfinderischer Bedeutung neuerdings in China angemeldet werden. Es gehe mehr um Quantität als Qualität. Viele chinesische Patente seien auch nicht veröffentlicht oder übersetzt und international verfügbar, so dass sie leicht verletzt werden könnten. Auch Wen Jiabao sprach sich dafür aus, den Katalog öffentlich zu machen und versprach weitere Anstrengungen. «Das ist leichter gesagt als getan.»

Bahn-Chef Rüdiger Grube rechnet mit Erleichterungen im Schienenverkehr mit China. Falls bestimmte organisatorische und rechtlichen Hindernisse abgebaut werden könnten, sei eine erhebliche Verkürzung der Frachtzeit zwischen Deutschland und China möglich.

Seit dem 1. November hat die Deutsche Bahn AG den Transport von Fahrzeugkomponenten für den Autohersteller BMW von der See auf die Schiene verlagert, um Zeit zu sparen. Dauerte der Transport per Schiff 46 Tage, fährt nun jeden Tag ein Güterzug mit 44 Waggons vom BMW-Werk Leipzig in die Fertigungsstätte Shenyang in Nordostchina. Für die 11 000 Kilometer lange Strecke braucht der Zug 23 Tage – nur noch halb so lang. Grube sagte, diese Zeit könne nochmals um neun Tage verkürzt werden, wenn es einheitliche Transportrechtsregeln, eine schnellere Grenzabfertigung und einen international einheitlichen digitalen Frachtbrief gebe.

Nachdem Grube sein Anliegen vorgebracht hatte, forderte Wen Jiabao den Chef der obersten Wirtschaftsbehörde seines Landes, Zhang Ping, auf, sich des Themas anzunehmen. Grube sagte im Anschluss: «Das war ein Erfolg. Aus meiner Sicht wird sich da jetzt was tun.»

Die Bahn transportiert für BMW Komponenten wie Motoren oder Instrumentenkonsolen von Deutschland nach China, wo die Autos zusammengebaut werden. Heute seien für die Fahrt der Züge jeweils 14 einzelne Frachtbriefe notwendig, sagte Grube. Er hofft auf eine Ausweitung des Geschäfts mit China. Die Bahn AG sei in diesem Zusammenhang bereits von Mercedes und Audi angesprochen worden.

Zum Abschluss ihres Besuches wollte Merkel am Nachmittag zusammen mit Wen das Airbus-Werk in Tianjin besuchen. Beide nehmen an einem Festakt zur Auslieferung des hundertsten Flugzeugs der Baureihe A320 teil. Der erste Airbus A320 aus dem nach Toulouse und Hamburg dritten und einzigen außereuropäischen Airbus-Werk war 2009 ausgeliefert worden. Airbus hatte am Vortag den Verkauf von 50 neuen Maschinen des Typs A320 und die Fortsetzung seiner Endmontage in China über 2016 hinaus besiegelt. Der Flugzeugverkauf hat schätzungsweise ein Volumen von 3,5 Milliarden US-Dollar (2,7 Mrd. Euro).

Die Kanzlerin und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatten am Donnerstagabend die chinesischen Finanzspitzen zum Essen getroffen, darunter Zentralbankchef Zhou Xiaochuan, Finanzminister Xie Xuren und die Chefs großer Banken. Es sei «sehr schonungslos» über die Krise gesprochen worden, hieß es. Wen Jiabao hatte zuvor sein Unverständnis geäußert, dass die Europäer so lange brauchten, um die Beschlüsse und Reformen zur Euro-Rettung auch umzusetzen.

 

Links

Auswärtiges Amt zu chinesischer Wirtschaft

Auswärtiges Amt – Wirtschaftsdatenblatt

Germany Trade & Invest Wirtschaftsdate kompakt: VR China

Mitteilung Germany Trade & Invest zu Chinesischem Außenhandel 2012

Airbus in China, auf engl.  

(dpa)

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