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Kopf-an-Kopf-Rennen bei der US-Wahl

Kopf-an-Kopf-Rennen bei der US-Wahl
Tag der Entscheidung: Wer zieht ein ins Weiße Haus? US-Präsident Obama oder sein Herausforderer Romney? Foto: Justin Lane/ Archiv (Bild: dpa)

Dramatisches Finale: Nach einer Wahlschlacht der Superlative haben die Vereinigten Staaten von Amerika ihren 45. Präsidenten gewählt.

Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama (51) ging am Dienstag mit leichtem Vorsprung in den meisten Meinungsumfragen in die Entscheidung. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney (65) konnte sich dennoch Chancen ausrechnen, da die Erhebungen sehr knapp und deshalb fehleranfällig waren. Mit dem Ergebnis wurde frühestens am Mittwochmorgen gerechnet.

Obama hatte seine Stimme schon vor knapp zwei Wochen in seiner Heimatstadt Chicago abgegeben. Er war der erste Amtsinhaber, der vor dem eigentlichen Wahltag votierte. Romney stimmte am Dienstagmorgen in seiner Wahlheimat Boston ab. Er fühle sich «sehr, sehr gut», sagte Romney. Auch Obama sagte, er erwarte eine «gute Nacht» für die Demokraten.

Entscheidend war, wie sich die Kandidaten in den sogenannten Swing States mit ihren Wechselwählern schlugen. Hier sahen die Meinungsforscher Obama im Vorteil. Dennoch bereiteten sich beide Lager nach Medienberichten auf langwierigen Streit um die Abstimmungsergebnisse vor.

Bis zum Schluss kämpften beide Kandidaten mit aller Härte um unentschiedene Wähler. Obama wurde nicht müde, Romney als Anwalt der Reichen zu brandmarken. Romney prangerte das Versagen des Demokraten in der Wirtschaftspolitik angesichts hoher Arbeitslosigkeit und mauer Konjunktur an.

Der Republikaner setzte sogar noch am Wahltag seine Kampagne fort: Er reiste in die heiß umkämpften Staaten Ohio und Pennsylvania. Obama würdigte den Einsatz seines Kontrahenten. Er gratulierte Romney zu dessen «schwungvollem Wahlkampf» und einem «hart umkämpften Rennen».

Schätzungsweise drei Milliarden Dollar (knapp 2,35 Mrd Euro) dürften beide Kontrahenten in die als Schicksalswahl beschworene Auseinandersetzung gesteckt haben.

In der jüngsten Umfrage der «Washington Post» und des Senders ABC erreichte Obama zwar erstmals seit Anfang Juli landesweit wieder 50 Prozent der Stimmen, während Romney nur auf 47 Prozent kam. Doch war das Ergebnis – wie derzeit bei zuletzt nahezu allen Umfragen – anfällig für statistische Fehler.

Die US-Bürger strömten vielerorts zur Wahl. Am Dienstagmorgen (Ortszeit) bildeten sich teils lange Schlangen vor den Lokalen, so auch in Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey. Diese Gegend war von Wirbelsturm «Sandy» stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das überzeugende Auftreten Obamas als Krisenmanager während der «Sandy»-Katastrophe werteten viele Kommentatoren als Plus für den Präsidenten in den letzten Tagen des Wahlkampfs.

Menschen, die wegen der Sturm- und Flutschäden ihr Haus verlassen mussten, dürfen auf Anweisung von Gouverneur Chris Christie per E-Mail oder Fax wählen. Im benachbarten New York City gaben die Bürger ihre Stimme teils in Zelten ab, etwa in der von «Sandy» schwer getroffenen Küstenregion Rockaway. In den meisten Stadtteilen New Yorks lief die Wahl jedoch normal ab. Es gab Strom, und die U-Bahnen und Busse fuhren wieder auf den meisten Strecken.

Auch Florida und Ohio verzeichneten einen starken Wähler-Andrang. Im Sonnenschein-Staat mussten Bürger an manchen Orten drei Stunden warten, bis sie ihre Stimme abgeben konnten.

Gewählt wurde auch der Kongress: alle 435 Abgeordneten und rund ein Drittel des 100-köpfigen Senats. Es wurde damit gerechnet, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus und die Demokraten die Führung im Senat behalten. Einem Präsidenten macht diese Machtverteilung das Leben nicht leichter.

Traditionell lagen schon zwei Ergebnisse aus dem Bundesstaat New Hampshire früh vor. Im Ort Hart’s Location trug Obama – wie vor vier Jahren – einen ersten Erfolg davon: 23 Bewohner stimmten für ihn, neun für Romney. Unentschieden endete das Rennen im Dorf Dixville Notch nahe der kanadischen Grenze: Auf je fünf Stimmen kamen die Kandidaten. Erstmals in der Geschichte kam es dort zu einem Patt. 2008 ging Dixville Notch noch mit 15 zu 6 an Obama.

Offiziell begann der Wahltag um fünf Uhr morgens Ortszeit (11.00 Uhr MEZ) im Bundesstaat Vermont. Die Bürger von Hawaii und Alaska bilden den Abschluss. In Alaska sind die Wahllokale bis 06.00 Uhr MEZ am Mittwoch geöffnet.

Ein heiserer Obama rief seine Anhänger bei einer Abschlusskundgebung auf, nicht nachzulassen. «Es kommt jetzt auf jeden von uns als Bürger an», sagte er am späten Montagabend (Ortszeit) in Des Moines in Iowa. Obama wollte danach den Wahltag in seiner Heimatstadt Chicago mit seiner Familie verbringen.

Romney rief die Wähler in Manchester (New Hampshire) auf, die vierjährige Amtszeit Obamas kritisch zu prüfen. «Der Präsident hat “Change” versprochen, aber der Wandel wird nicht an Reden gemessen», sagte Romney. «Er wird an Ergebnissen gemessen.» Romney gab zusammen mit seiner Frau Ann im Wahllokal im Bostoner Vorort Belmont, wo die Familie seit Jahren wohnt, die Stimme ab.

Obama und Romney mobilisierten noch einmal Prominenz. Bruce Springsteen sang für den Demokraten, Kid Rock für den Republikaner. «Der Boss» trat an der Seite Obamas bei Kundgebungen in Wisconsin, Ohio und Iowa auf.

(dpa)

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