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Kirchen fordern Umdenken in der Finanzpolitik

Kirchen fordern Umdenken in der Finanzpolitik
Papst Franziskus eröffnet die Osterfeierlichkeiten im Petersdom. Foto: Ettore Ferrari (bild: dpa)

An Karfreitag haben die großen Kirchen in Deutschland mehr Barmherzigkeit mit den Armen angemahnt und ein Umdenken in der Finanz- und Wachstumspolitik gefordert.

Es dürfe kein «Weiter so wie bisher» geben, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der Nachrichtenagentur dpa.

In Rom setzte Papst Franziskus an den Tagen vor Ostern mit deutlichen Worten und berührenden Gesten Akzente. In der Messe am Gründonnerstag forderte er die Priester und seine Kirche dazu auf, aus sich heraus und in die «Randgebiete» zu gehen. Letzter Höhepunkt des großen Programms vor den Osterfeierlichkeiten sollte spät am Karfreitag der traditionelle Kreuzweg am Kolosseum in Rom sein, zu dem Tausende erwartet wurden.

Am Abend des Gründonnerstags wusch der Papst einem Dutzend junger Gefängnisinsassen kniend die Füße. Das neue Oberhaupt der katholischen Weltkirche wählte für die vorösterliche Fußwaschung das römische Jugendgefängnis Casal del Marmo aus. Dort feierte Franziskus mit etwa 50 Insassen die Abendmahlmesse in der Gefängniskapelle. Der Papst umarmte alle jungen Leute und forderte sie auf, sich niemals die Hoffnung rauben zu lassen.

In Deutschland kritisierte Erzbischof Zollitsch, soziale Not werde zu wenig thematisiert. «Die wachsende Armut, gerade in den Großstädten, kann uns doch nicht mehr ruhig schlafen lassen.» Zollitsch warnte: «Verarmung und Altersarmut stellen eine große Gefahr für den sozialen Frieden dar.»

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, warnte vor Tendenzen, die die Gesellschaft den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. «Ja, ich sehe, dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gefährdet ist und dass auch bei uns immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze fallen», sagte er im dpa-Interview. Ein großes Problem sei, dass eine zunehmende Zahl von Arbeitsplätzen so gering entlohnt werde, dass Menschen davon sich und ihre Familie nicht ernähren könnten. Schneider sprach von «falscher Prioritätensetzungen der Politik.»

Weltweit erinnerten Christen an die Leiden Jesu, der laut Überlieferung am Karfreitag verurteilt und auf dem Hügel Golgatha in Jerusalem gekreuzigt wurde. In der Altstadt von Jerusalem lockte die Karfreitagsprozession in diesem Jahr besonders viele Gläubige und Schaulustige an. Das Gedränge in den engen Gassen war noch größer als üblich. Viele beklagten sich über den enormen Andrang. Nach altem Brauch führten Franziskaner-Mönche den Zug der Gläubigen durch die Via Dolorosa an. Die israelischen Sicherheitskräfte waren wie jedes Jahr in erhöhter Alarmbereitschaft.

Auf den Philippinen ließen sich erneut Dutzende Menschen bei einem umstrittenen Karfreitagsritual an Kreuze nageln. Sie wollen damit an die Leiden Jesu erinnern und ihre eigenen Sünden sühnen. Hunderte Menschen geißelten sich selbst mit Peitschen. Auch die Selbstzüchtigung ist als Sühne für begangene Sünden gedacht. Auf den Philippinen sind etwa 80 Prozent der schätzungsweise 94 Millionen Menschen katholisch. Die Kirche verurteilt allerdings die extremen Formen der Buße.

 

Links

Infos der evangelischen Landeskirche zum Karfreitag

EKM 

(dpa)

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